Seniorenzentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen

Demenz verstehen und Angehörige unterstützen – „Das Leben lässt sich nicht festhalten“

Demenz verstehen und Angehörige unterstützen:

Wie gelingt ein liebevoller und verständnisvoller Umgang mit Menschen mit Demenz? Welche Unterstützung gibt es für Angehörige? Und wie wichtig ist es, dabei auch die eigenen Grenzen wahrzunehmen? Um diese und viele weitere Fragen ging es bei der Veranstaltung „Das Leben lässt sich nicht festhalten“ in der DIAKONIA Tagespflege im „Belgischen Viertel“.

Organisiert wurde der Nachmittag von den Teams der DIAKONIA Tagespflege und des Betreuten Wohnens. Mit Annedore Lennartz, ehrenamtliche Demenzberaterin, Prädikantin und (Notfall-)Seelsorgerin, sowie Silvia Gobbers-Guse, Sozialarbeiterin B.A. der LVR-Klinik Viersen, standen zwei Referentinnen zur Seite, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.

Demenz verändert Wahrnehmung, Orientierung, Erinnerungsvermögen und häufig auch das Verhalten. Für Angehörige bedeutet das im Alltag immer wieder Situationen, in denen vertraute Reaktionen ausbleiben oder Verhaltensweisen zunächst nur schwer nachvollziehbar erscheinen.

 

Demenz verstehen – und den Menschen im Blick behalten

Annedore Lennartz machte mit der „Kitwood-Blume“ anschaulich, welche unterschiedlichen Aspekte beim Umgang mit demenziell veränderten Menschen eine Rolle spielen. Dabei blieb es nicht bei einem Vortrag: Die Teilnehmenden waren eingeladen, selbst darüber nachzudenken und miteinander zusammenzutragen, was im Umgang mit Menschen mit Demenz wirklich zählt.

Im gemeinsamen Austausch kristallisierte sich ein zentraler Gedanke heraus: Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Liebe und liebevolle Zuwendung bilden die Grundlage dafür, Verständnis zu entwickeln – auch dann, wenn Handlungen oder Reaktionen aufgrund der Demenz zunächst irrational oder unverständlich erscheinen.

 

Referentinnen und Team der DIAKONIA Veranstaltung zum Thema Demenz in Viersen
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Angehörige dürfen an ihre Grenzen kommen

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Nachmittags war die Situation der Angehörigen. Wer einen Menschen mit Demenz über längere Zeit begleitet, übernimmt häufig viel Verantwortung. Neben organisatorischen und pflegerischen Aufgaben können auch die emotionalen Belastungen erheblich sein.

Deshalb ging es nicht allein um die Frage, wie Angehörige mit einem demenziell veränderten Menschen umgehen können. Ebenso wichtig war die andere Seite: Was brauchen diejenigen, die begleiten und unterstützen?

Die Referentinnen informierten über unterschiedliche Hilfs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Gleichzeitig wurde darüber gesprochen, wie wichtig persönliche Entlastung ist. Dazu gehört auch die Erkenntnis, nicht alles allein bewältigen zu müssen. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und sich einzugestehen, dass man an diese Grenzen stoßen kann und auch stoßen darf, kann ein wichtiger Schritt sein, um Unterstützung anzunehmen.

Annedore Lennartz konnte dabei neben ihrer fachlichen Tätigkeit auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Sie hat ihre an Demenz erkrankten Eltern über viele Jahre in der Häuslichkeit begleitet und gepflegt und kennt daher viele Herausforderungen, denen Angehörige im täglichen Leben begegnen, auch aus persönlicher Perspektive.

Persönliche Erfahrungen und ein offener Austausch

Dass Demenz weit mehr als ein medizinisches oder pflegerisches Thema ist, zeigte sich im Verlauf des Nachmittags immer wieder. Unter den Teilnehmenden waren auch Angehörige von Menschen mit Demenz, die von ihrem eigenen, nicht immer einfachen Alltag berichteten.

So entwickelte sich ein offener und sehr persönlicher Austausch. Erfahrungen wurden geteilt, Fragen gestellt und schwierige Situationen angesprochen. Dabei ging es auch um Gefühle, die im Alltag nicht immer Raum bekommen. Das Thema berührte – und so floss im Laufe des Nachmittags auch das eine oder andere Tränchen.

Gerade diese Offenheit machte deutlich, wie wertvoll Gelegenheiten zum Austausch sein können: zu erleben, dass andere Menschen ähnliche Erfahrungen machen, Fragen stellen zu können und Informationen über mögliche Unterstützung zu erhalten.

 

Information, Entlastung und liebevolle Zuwendung

Am Ende des Nachmittags stand keine einfache Antwort auf die vielen Herausforderungen, die eine Demenzerkrankung für Betroffene und Angehörige mit sich bringen kann. Dafür aber viele Impulse, Informationen und Gedanken, die in den Alltag mitgenommen werden konnten.

Eine Erkenntnis zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Veranstaltung: Menschen mit Demenz bleiben Menschen mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Geschichte und ihren Bedürfnissen. Liebevolle Zuwendung und der Versuch, die Welt aus ihrer Perspektive zu betrachten, können helfen, auch scheinbar unverständlichen Situationen mit mehr Verständnis zu begegnen.

Gleichzeitig gilt es, diejenigen nicht aus dem Blick zu verlieren, die Tag für Tag begleiten und unterstützen. Auch Angehörige brauchen Unterstützung, Entlastung und manchmal schlicht die Erlaubnis an sich selbst, nicht alles schaffen zu müssen.

So wurde „Das Leben lässt sich nicht festhalten“ zu einem informativen, intensiven und bewegenden Nachmittag rund um das Leben mit Demenz.

Unser herzlicher Dank gilt Annedore Lennartz und Silvia Gobbers-Guse für ihre Impulse und den offenen Austausch sowie den Teams der DIAKONIA Tagespflege und des Betreuten Wohnens im „Belgischen Viertel“ für die Organisation der Veranstaltung.